Wettkämpfe 1986 - 1990

Ich bin zwar schon immer Rad gefahren, aber in erster Linie um zum LA- oder Turn-Training zu kommen.Später, als ich Mittelstreckenläufer bei der LG Wetzlar war (das war während meiner Bundeswehrzeit), bin ich an trainingsfreien Tagen auch schon mal wegen der Fitness im Lahn-Dill-Kreis herumgeradelt. Ohne allerdings zu wissen, dass das eigentlich der ideale Ausgleich zwischen dem harten Training auf der Bahn war. 1983 wurde ich nach Idar-Oberstein versetzt und konnte nicht mehr wie gewohnt mit meinen Wetzlarer Kumpels trainieren. 1986 stand ich an einem sportlichen Scheideweg. Da hörte ich von einem Triathlon bei uns am Bostalsee. Das wollte ich ausprobieren und sehen, ob es etwas für mich war. Von Hawaii hatte ich zu der Zeit keinen blassen Schimmer (obwohl ich die Bilder des legendären 82er Februar-Wettkampfes im Fernsehen gesehen hatte). Vor dem ersten Wettkampf musste ich mir aber erst einmal ein Rennrad zulegen. Ich erstand im örtlichen Sportgeschäft kurz vor dem Sommerurlaub ein 10-Gang-Rad von Motobecane, das ich anschließend in Spanien fast täglich bewegte. Dazu gehörte tägliches Schwimmen im Meer, was mir schon damals besser gefiel als Schwimmen im Schwimmbad. Neoprenanzüge kannte ich zwar vom Surfen, wäre aber nie auf die Idee gekommen, einen solchen beim Schwimmen anzuziehen. Da ich eigentlich nur Brustschwimmen konnte, versuchte ich den Urlaub im Juli 1986 zum Umstellen auf die Kraultechnik zu nutzen, da ich mir hatte sagen lassen, dass man nur damit schnell genug voran käme und mithalten könne.

So in etwa sah mein erstes Rennrad: Motobecane aus
So in etwa sah mein erstes Rennrad: Motobecane aus

Da alle, die etwas auf sich hielten, am Bostalsee mit Neopren antraten, nahm ich kurzerhand meinen "Long John" mit - also Jacke und Hose getrennt. Nach 200m im Kraulstil war ich so fertig, dass ich glaubte zu ertrinken und im Bruststil weiterschwamm. Nach ca. 22 Min. erreichte ich das rettende Ufer und kam natürlich kaum noch aus meinem Anzug raus. Das Radfahren lief ganz passabel und ich freute mich auf die Laufstrecke, denn das war ja jetzt mein Ding. Aber, schwer getäuscht: nach 1 km bekam ich dermaßen Krämpfe, dass ich erst einmal stehen bleiben und mich strecken musste. Dehnen war gerade noch nicht populär. Irgendwie ging es dann weiter und ich kämpfte mich über die 10,5 km zurück ins Sportzentrum wo ich als 61. einlief.

Ich hatte Blut geleckt (den Tri-Virus eingefangen) und nach diesem Wettkampf musste erst einmal ein neues Rad her. Ich erstand ein "Peugeot Triathlon" 12-Gang Sondermodell, bei dem man einen zweiten Flaschenhalter montieren konnte.

Peugeot "Triathlon" - der Wahnsinn mit 12 Gängen.
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1988 war schon die dritte Saison für mich. Nach dem desaströsen Schwimmen im vergangenen Jahr bin ich im Winter zusammen mit einigen anderen Triathleten dem Schwimmclub NEDA (damals noch unter der Leitung von H.-J. Kammer) beigetreten. Das Training fand im 25m-Becken auf dem "heiligen Berg" statt und hat uns voran gebracht.

Da ich schon immer der Meinung war, dass man sich mit den Spitzenleuten in einem Sport messen sollte, startete ich ab der Saison '88 beim Triathlon Deutschland-Cup. Hier wurden Rennen quer durch die Republik im Format 1500m-40km-10km ausgetragen. Häufige Begleiter waren dabei Reiner Gerhard, Udo Gebhardt, Michael Zeyer und Thomas Lipski. (s. PDF Download)

Da ich mich im August einmal probehalber für den IRONMAN Hawaii qualifizieren wollte, schrieb ich die Teilnahme bei den Deutschen Marathonmeisterschaften in Hamburg auf meine "to do Liste". Den lief ich dann im April voll auf Sicherheit in dem anvisierten 4er Schnitt in 2:48:43 Std.

Mit der Anmeldung für Roth hatte man damals reichlich Zeit und das Startgeld lag knapp über 100,- DM! Mir war gar nicht bewusst, dass es der 1. Ironman Europe war. So wie mir nicht wirklich bewusst war, auf was ich mich überhaupt einlasse. Es gab damals niemanden den ich kannte, der schon Erfahrungen auf den langen Strecken hatte. Die saarländischen Langstreckler lernte ich erst in Roth kennen - und die mich. Ich hatte natürlich die Strecken im Training getestet und wusste, wie ich einen Marathon laufen kann, aber allzu viele Gedanken darüber, wie das hinter einander gehen wird, habe ich mir nicht gemacht. Ich war ein richtiger Rookie. Und die Bekleidung erst: der Neo hielt eigentlich nur warm. Auf dem Rad trug man Badehose und ein knappes Lauftop (siehe Faris Al Sultan). Die Einstellung war aber richtig, denn ich absolvierte meinen ersten Ultra in 9:31:50 Std. und war als 44ter Gesamt und 6ter in der AK direkt für Hawaii qualifiziert. Allerdings konnte ich wegen meines Studiums nicht nach Hawaii fliegen. Hätte ich gewusst um welches Erlebnis ich mich bringe, hätte ich alles daran gesetzt zu starten.

In den Tagen nach dem Wettkampf stand das Telefon nicht mehr still. Zeitung, Fernsehen, Radio: alle wollten Interwievs, weil ich eine neue saarländische Bestzeit über die Ironman-Distanz aufgestellt hatte. Da hätte ich alle Chancen gehabt Sponsoren zu finden, aber ... Ich hatte die fixe Idee es im kommenden Jahr erneut zu versuchen und dann auch in Hawaii zu starten, weil mein Studium bis dahin beendet sein würde.

Ich beschloss mit dem Triathlon in Nizza meine Saison zu beenden. Da der im Oktober ausgerichtet wurde, fehlte ein großer Teil der Weltelite. Lediglich Tinley, Molina, Barel und Glah waren vertreten. Ich konnte mich gegenüber dem Vorjahr um 60 Plätze verbessern und entspannt dem Jahr 1989 entgegen sehen.