Hawaii-Tagebuch Oktober 2012:

Tag 0-1:Abflug/Ankunft:  (2.+3. Oktober)

Abflug am Dienstag morgen planmäßig um 8.45 Uhr ab Frankfurt nach Newark/New York. Dort durfte ich so lange auf mein Gepäck warten (mit dem ich ja noch durch den Zoll musste), dass es beim Re-Check nicht mehr angenommen wurde. Es waren nur noch 25 Minuten bis zum Abflug. Also wurde ich umgebucht und konnte zwar noch nach LA weiterfliegen, aber von dort nicht mehr nach Kona, da nach 17 Uhr keine Flüge mehr dorthin starten. Weiterflug war Mittwoch morgens um 6:39 Uhr. Das bedeutete 12 Stunden im Airport verbringen (s. Foto). Mittwochs ging es pünktlich nach San Fransisco (das war wieder der Haken bei der Sache) wo wir aber eine geschlagene Stunde warten mussten, bis wir ans Gate konnten. Mein Gate nach Kona war glücklicherweise nur eine Tür weiter. Dort wurde schon gebordet, da der Abflug 20 Minuten später war. Keine Zeit etwas zu essen oder nur einen Kaffee zu kaufen. Punkt 12 Uhr Noon war ich endlich auf dem geheiligten Boden (s. Foto), konnte mein Gepäck empfangen ein paar Worte mit Chrissie Wellington wechseln (die kam mit dem gleichen Flieger) und wurde von meiner Gastfamilie abgeholt.
Nachmittags wollte ich eine Einheit im Pool absolvieren, aber: wegen Wartungsarbeiten geschlossen. Das ist nun in Kona nicht so dramatisch. Ich also flugs zum Pier gejoggt um mich in den Ocean zu stürzen und wer steigt aus dem Wasser? - Chrissie.
Sie ist aber nicht im Rennen, sondern nur zum Zuschauen und trainieren da. Und da die Schwimmstrecke schon mit Bojen bestückt ist, bin ich auf der WK-Strecke meine 1500m geschwommen (s. Foto) und hab all die bunten Fischlein begrüßt.

Tag 2: (4. Oktober)

 

HI.

Heute morgen habe ich schon bis 7.15 Uhr durchgeschlafen (ich hatte ja in LA Zeit genug, mich anzupassen). Nach dem Frühstück mit meiner lieben Gastfamilie baute ich das Bike zusammen und bin gegen Mittag 50 km auf der WK-Strecke nach Hapuna Beach geradelt. Dort kann man herrlich relaxen und schwimmen. (s. Foto)

 

Tag 3 und 4: (5. + 6. Oktober)

Gestern bin ich in der "Höhe" (600-700m) 40 km geradelt mit anschließendem 8 km Koppellauf, wobei es hier die ersten 600m 20% ansteigt. Mein Knie tat anschließend doch wieder weh, aber heute war fast nichts mehr zu spüren.
Heute morgen bin ich, nachdem ich mein Auto abgeholt hatte, nach Kawaihae geradelt (60 km bis hin auf der Wettkampfstrecke), um dort ein lecker Tuna Sandwich zu futtern (s. Fotos). Die Sonne hat ganz schön gebruzzelt da draußen, was schon mal einen Vorgeschmack auf nächsten Samstag gab. Die AthletenInnen waren dutzendweise unterwegs. Eigentlich wollte ich anschließend ins Schwimmbad, das heute wieder geöffnet hat. Nach vier Stunden Rad hatte ich aber keine Lust mehr auf Programm und bin im Pazifik 1600m auf der WK-Strecke geschwommen, was einem Schwimmen im Aquarium gleichkommt. Am Pier gabs nur eisenharte Ironman-Körper (M+F) zu sehen, so dass man unweigerlich denkt: oh Gott sind die alle so fit. Nun ja - abgerechnet wird an der Finish-Line.

Aloha

Tag 5: (Sonntag, 7. Oktober)

 

Hello again,
nach den 124 km gestern fühlte ich mich schon richtig aklimatisiert. Laut Plan wollte ich heute den Teil der Laufstrecke im Energy Lab ablaufen, was ja bekanntermaßen der schwierigste Abschnitt beim Marathon ist, da es hier unten direkt am Meer entlang gnadenlos heiß ist und Wolken ein Fremdwort sind. Meinen Lauf startete ich um 9.30 Uhr und oben auf dem Queen-K-Highway war es um diese Zeit schon 34° warm. Unten im Lab waren es schon über 40° und ich habe zum ersten Mal für dieses Jahr richtig geschwitzt bzw. lief der Schweiß in Strömen. Das tollste bei der Lauferei aber war, dass ich heute zum erstenmal seit Remagen wieder völlig schmerzfrei laufen konnte und deshalb auf 12 km verlängert habe. Der Rückweg aus dem Lab nach oben war nur 30 Sek. langsamer als runter - ich war begeistert. Nach dem Lauf gings gleich zum Kona Aquatic Center zum Schwimmen (Bild). Da die sonntags aber von 11.45 bis 13.00 Uhr schließen, konnte ich nur einen Teil meines Plans schwimmen. Auf der Bahn neben mir pflügte Sebastian Kienle durchs Wasser.
Während die Lifeguards ihre Mittagspause machten, radelte ich die ersten 15 km der IM-Radstrecke ab, die hier einige Tücken zu bieten hat wie z. B. das Abbiegen von der Palani Road (wo man extrem schnell ist) in den Kuakini Hwy oder den schlechten Straßenbelag auf dem Rückweg nach der Wende am Hwy 11.
Nach kurzer Verschnaufpause öffnete auch schon wieder der Pool und ich betrat, ja mit wem wohl - klar Chrissie, das von Dutzenden Triathleten bevölkerte Bad, um den zweiten Teil meines Schwimmplans zu absolvieren.
Dass ich mir danach erst mal eine Kaffepause mit dickem Muffin verdient hatte, versteht wohl jeder. Und später gings dann noch zum Kuki'o Beach (s. Fotos) wo sich eigentlich keine Touris hin verlaufen, weil der hinter dem Four Seasons Hotel liegt und man einen Visitor Pass abholen muss, um auf verschlungenen Wegen zum Strand zu finden.

Tag 6: (8. Oktober)

 

Heute morgen bin ich nur locker 2,5 km auf der WK-Strecke geschwommen. Ansonsten ist ein Hang Loose Tag angesagt, den ich am White Sands Beach verbringe. Und obwohl hier am Alii Drive in der Nähe vieler Hotels und Apartments gelegen, kann man total entspannen, schwimmen, schnorcheln, sonnenbaden.

 Tag 7+8: (9. + 10. Oktober)

 

Aloha.

Durch die ständigen Termine komme ich überhaupt nicht mehr zum Schreiben. Die letzten drei Tage habe ich relativ locker trainiert mit ein paar Spitzen. Eigentlich nur so wie mein Körper es verlangt hat. Und auf den sollte man ja in erster Linie hören.
Nach dem Hang Loose Monday habe ich am Dienstag nur 50m-Intervalle in verschiedenen Intensitäten geschwommen, locker geradelt und nachmittags 8 km im 4:30er Schnitt auf dem letzten Abschnitt am Alii Drive gelaufen, da wo die erste Wende im WK ist. Gestern morgen war ich schon um 8 Uhr im Pazifik und habe in WK-Bekleidung noch einmal die 2,6 km geschwommen bei schwerem Wellengang. Mittags bin ich 36 km im WK-Tempo geradelt, was eine Duschung im Schwimmbad nach sich zog, da der Schweiß in Strömen lief.
Anschließend suchte ich den Betreuungsstand von PowerBar auf. Der ist dieses Jahr neu. Als Team Elite Athlet kann ich so oft, so viel und was ich gerne möchte bekommen. Das ist mal 'ne Maßnahme.

Vor der Nationen-Parade bin ich noch mal kurz in den Ocean gesprungen und  musste anschließend mein endgültiges Domizil beziehen (Foto zeigt Blick von der Lanai) und konnte abends endlich mein Frauchen vom Airport abholen.

Tag 9+10: (11.+12. Oktober)

 

Donnerstag morgens startet vor dem King Kam der legendäre "Underwear Run", der ursprünglich als Protest gegen die knapp bekleideten Europäer gedacht war. Man schaue sich mal bitte Bilder aus dem alten Hawaii an: da war man knapp, wenn überhaupt, bekleidet.

Ich habe den Tag mit einem 5 km-Lauf am alten Heartbreak Hill begonnen und mit lockerem Schwimmen und aalen am White Sands Beach ausklingen lassen.

Abends hat Andrea ein Menü zum Carbo-Loading gezaubert während ich schon einmal die Kleiderbeutel gepackt habe.

Am Freitag (letzter Tag, zitter, bibber) bin ich noch einmal locker bei uns in der Höhe 45 Min. geradelt. Dann haben wir alles ins Auto verfrachtet und sind runter zum Pier gefahren, wo natürlich schon wieder die Hölle los war. Ich konnte aber noch ganz entspannt 1000m schwimmen. Anschließend haben wir uns zum Rad-Check-In begeben, da ich zwischen 12 und 14.30 Uhr abgeben durfte. Das läuft in Kona ganz entspannt, da es eh zu heiß ist, um sich unnötig Stress zu machen.

Ich gehe noch einmal den Weg aus dem Wasser zu meinen Tüten und zum Rad durch und das war's dann für heute. Jetzt ist nur noch Beach angesagt.

Der Tag X


Der längste Tag – Mein Finish im Dunkeln

 

Der letzte Ironman-Wettkampf in Hawaii sollte eigentlich mein erfolgreichster auf der Vulkaninsel werden. Je näher der Tag X rückte, desto sicherer war ich mir als Triathlet, der 1989 (im Jahr des Iron War: Marc Allen gegen Dave Scott) sein Debüt auf Big Island gab.
Ich hatte meine Altersklassen-Gegner genau studiert; wusste wer in welchem Jahr mit welcher Zeit unter den ersten drei gewesen war und wer in diesem Jahr leistungsmäßig ebenbürtig war. Noch unmittelbar vor dem Start war ich sicher, dass nicht nur der anvisierte Platz unter den ersten zehn, sondern sogar ein Platz auf dem Podium in der Altersklasse möglich war.
Das Schwimmen im Pazifik, in dem sich ständig höhere Wellen aufbauen, verläuft dann auch planmäßig. Nach 1:11 Stunden verlasse ich die warmen Salzfluten, die stärksten Konkurrenten unmittelbar vor oder hinter mir. Der Wechsel erfolgt ruhig, denn man darf jetzt nichts vergessen – schon gar nicht den Sonnenschutz, den helfende Hände auf Wunsch auftragen. Dass es wieder ein außergewöhnlich heißer Tag werden wird zeichnet sich schon bei der elf Kilometer langen Auftaktrunde in Kailua ab. Der Wunsch nach Wolken soll an diesem Samstag, dem 13. Oktober ungehört bleiben. Lediglich der Mumuku Wind bläst auf dem Weg zum Wendepunkt in Hawi mit Macht von vorne und der Seite. Auf dem Rückweg stellt sich der Wind von Kilometer 120 bis 170 den schon angeschlagenen Athleten und Athletinnen entgegen und drückt auf die Radsplits. Auch ich muss Tempo rausnehmen und verliere einige Minuten. Trotzdem habe ich viele hinter mir gelassen, darunter die stärksten Altersklasse-Konkurrenten. Ich steige als zehnter meiner Altersklasse vom Rad, um mich für den abschließenden Marathon zu präparieren. Locker laufe ich los und bin nach wie vor überzeugt, mich ganz vorne zu platzieren. Doch plötzlich, nach zwei von 42 zu laufenden Kilometern, setzen bei mir Schwindel und Übelkeit ein. Ich muss die nächsten Verpflegungsstationen durchwandern, um ausreichend Flüssigkeit aufnehmen zu können. Die will der Körper aber nicht mehr bei sich behalten, so dass die Geh-Abschnitte immer länger werden. Anhand der Startnummern kann ich sehen wie viele Konkurrenten mich überholen und liege nach der ersten Wende wieder auf Platz sieben. Die Kreislaufprobleme werden immer massiver und eigentlich ist nach fünfzehn Kilometern der Punkt erreicht an dem ich ans Aufgeben denkte bzw. aufgeben sollte. Ich gönne mir eine längere Pause, mobilisiere die allerletzten Reserven und versuche meinen letzten Ironman in Hawaii zu finishen, auch wenn ich die Hälfte der Laufstrecke gehen muss. So erreiche ich nach 12:04:13 Stunden zum ersten Mal in meiner Kona-Karriere die weltberühmte Finish-Line auf dem Alii Drive zwar im Dunkeln, aber unter tosendem Beifall der Zuschauer, die jeden, der das Ziel erreicht, feiern. Wie extrem die Bedingungen wieder waren zeigt ein Blick in die Ergebnisliste. Einige hoch gehandelte Profis erreichen an diesem Tag die Ziellinie nicht und von meinen stärksten Altersklasse-Konkurrenten ist niemand unter den ersten zehn.

 

Platz 2 beim Ironman Regensburg und das Ticket für Kona

St. Wendel/Regensburg. In einem sehr spannenden, mehr als zehn Stunden dauernden Wettkampf über die Ironman Distanz (3,8 Kilometer Schwimmen – 180 kilometer Radfahren – 42,2 Kilometer Laufen), sicherte ich mir einen Starplatz für die Triathlon WM am 13. Oktober in Kailua-Kona/Hawaii.

Regensburg ist einer von weltweit 31 Wettkämpfen über die Ironman Distanz, bei denen ca. 77000 Athleten versuchen, einen der 1800 Startplätze für die Triathlon World Championchips in Hawaii zu erkämpfen. Dabei sind die 150 Plätze, die verlost und die bei Halb-Ironman-Rennen vergeben werden, schon enthalten.

In Regensburg stehen Sonntag morgens ca. 1250 AthletenInnen aus 54 Nationen an der Startlinie des 20° warmen Guggenberger Sees und stürzen sich um Punkt sieben ins Wasser, um die 50 Hawaii-Slots unter sich auf zu teilen. Ich muss, wie viele andere auch reichlich Schläge einstecken, da jeder auf der Ideallinie schwimmen will (es aber leider nicht kann). Nach der Hälfte der Schwimmstrecke lichtet sich etwas die Reihe und ich kann meine „Bahn“ ziehen. Nach sensationellen 1:01:16 Stunden verlasse ich das Wasser als zweiter meiner Altersklasse . Was ich nicht weiß: ein Belgier, der ebenfalls nach Hawaii will, ist nur eine Sekunde vor mir. Der Belgier und ich wechseln auch etwa gleichschnell und steigen quasi gemeinsam auf unsere Rennmaschinen. Zu diesem Zeitpunkt haben wir einem weiteren Belgier aus unserer Altersklasse schon 12:30 Minuten abgenommen. Fast kaum zu glauben ist, dass wir drei in Sekunden-Abständen nach 180 Kilometer wieder vom Rad steigen. „Der Belgier Meuser hatte mich auf den letzten 15 Kilometern der Radstrecke überholt. Ich wusste, dass er schon qualifiziert war und blieb 50 Meter hinter ihm, bis wir die Wechselzone erreichten.“ Ich wechselte nach 5:23 Stunden auf dem Rad als schnellster meiner Altersklasse und nehme den beiden Belgiern 30 bzw. 100 Sekunden ab.

Nun kommt meine eigentlich stärkste Disziplin, das Laufen. Aber aufgrund fehlender Trainingskilometer wegen einer langwierigen Innenband-Verletzung gehe ich die Marathonstrecke in einem vorsichtigen 4:40er Minuten-Schnitt an und kann dieses Tempo auf den ersten beiden Runden von jeweils 10,5 Kilometern halten. Dann aber beginnen sich die Oberschenkelmuskeln zu melden und der Schnitt geht Kilometer für Kilometer nach oben oder in den Keller. „Ich dachte eine Zeitlang gleich kommt der Stillstand. Da zog auch schon der qualifizierte Belgier an mir vorbei.“ Mein Team, bestehend aus meiner Frau Andrea und meinem Freund Marco Sahm (der hatte sich ein Jahr zuvor an gleicher Stelle für Hawaii qualifiziert) informieren mich ständig über die Abstände und darüber, dass der zweite Belgier bedrohlich näher kommt. Dann endlich nach 35 Laufkilometern kann ich noch einmal alle Reserven mobilisieren und Freund Marco richtet mich im wörtlichen Sinne auf. Die Kilometer-Schnitte gehen wieder nach unten und ich rette mich mit einem hauchdünnen Vorsprung von 33 Sekunden ins Ziel auf Platz 2 mit 10:08:26 Stunden und habe somit das Kona-Ticket sicher.